Die Ausstellung DAS RAUSCHEN UNTER MEINER HAUT von SUSANNE LINER (2026)
im Museum der Völker in Schwaz fasst retrospektiv Werke zusammen, die seit 2009 entstanden sind.
Im Austausch mit Objekten des Museums der Völker analysiert die Künstlerin das ihren Arbeiten innewohnende Bild der Frau, welches sich von überlieferten mythologischen Mutterfiguren und Erdgöttinnen ableitet. „Das Museum der Völker umfasst mit seinen Sammlungen auch meine Ausstellungskonzeption, da es all die Kulturen und deren Menschen versinnbildlicht, die in ihrem rituellen Kunstschöpfen eine Sprache gesucht und formuliert haben, die Welt darzustellen“, erklärt die Künstlerin. „Diese Sprache übersetzt sich in innere Prozesse, die ich im weißen Rauschen im Hauptraum darzustellen versuche. Deswegen integriere ich Sammlungsobjekte des Museums in meine Ausstellung, um im gedanklichen und spirituellen Sinne Interferenzen mit dem Museum als Wunderkammerkörper aufzunehmen.“
Susanne Liner dokumentiert in ihrer gegenständlichen Malerei intensive Körpererfahrungen, die sie zu Gefühlskörpern mutieren und wachsen lässt. So verarbeitet sie in amorphen Körpern intime Erfahrungen, wie z. B. den Tod nahestehender Bezugspersonen oder das Thema der Mutterschaft. Mittels der Transformation des Körpers zum spirituellen Kraftzentrum, übersetzt sie aber auch den weiblichen Körper in eine gleich geschlechtliche und damit gleichberechtigte Entität.
Angesprochen auf die Nacktheit im Werk antwortet die Künstlerin: „Für mich ist das Wichtigste in diesem Prozess, an absoluter Aufrichtigkeit und Offenheit festzuhalten. Nacktheit übersetzt sich für mich in unverhüllte Ehrlichkeit, deswegen steht der nackte Körper auch zentral in meinem künstlerischen Werk“.
Die Werkzusammenstellung spricht eine direkte Einladung an die Besucher:innen aus.
„Mit der Ausstellung“, so die Künstlerin, „lade ich die Betrachter:innen direkt in meinen Körper ein, wenn sie über die Rampe im Museum hinauf in den großen Ausstellungsraum gehen.“ Zusätzlich geben die Nischenvitrinen mit verschiedenen Werkskizzen Einblick in ihren kreativen Handlungsraum, der sich aus Erfahrungen von ihrem Aufwachsen als Kind bis zum künstlerischen Werden im Erwachsenenalter zusammensetzt.
Vor dem großen Ausstellungsraum empfängt die Besucher:innen der Atelierstuhl und ein rotes Telefon der Künstlerin, um mit ihr – im übertragenen Sinne – in einen Dialog zu treten. Der von Susanne Liner eröffnete künstlerische Gesamtkörper der Ausstellung lädt jedoch auch ein, in den eigenen Körper hineinzuhören.
Die Ausstellung „Das Rauschen unter meiner Haut“ versteht sich als direkte Fortsetzung der Ausstellung „Wo die Haut am dünnsten ist“, die 2009 nach ihrer Rückkehr von der Kunstakademie Düsseldorf im Kunstraum Schwaz stattfand. „Ich wollte jetzt nochmals tiefer in den Körper eintauchen“, so die Künstlerin, „um die Prozesse innerhalb des Körpers nach außen sichtbar zu machen und das eigene Frau-Sein zu untersuchen. Deswegen begleitet mich der Ton weißen Rauschens, den wir im Ausstellungsraum hören, schon lange in meiner Arbeit. Wenn ich konzentriert beim Arbeiten bin – sei es beim Lesen, Schreiben, Skizzieren oder Zeichnen – schalte ich das weiße Rauschen ein, um eben diese Bilder in mir aufsteigen zu lassen, die zum Körpervokabular meiner Bildkompositionen werden. Deswegen empfinde ich das Rauschen als so wichtig und habe es zum Titel dieser Ausstellung gewählt.“
Karin Pernegger, Jänner 2026
